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Alles neu: Die Smart City Songdo befindet sich erst seit 2003 im Bau. Foto: Adobe Stock
Alles neu: Die Smart City Songdo befindet sich erst seit 2003 im Bau. Foto: Adobe Stock

Smart City: Ist Songdo in Südkorea die Stadt der Zukunft?

Die seit 2003 in Südkorea errichtete Smart City Songdo ist ein Prototyp für die Stadt der Zukunft. Ihre Bewohner sollen mithilfe digitaler Technologie umweltfreundlich, ressourcenschonend und sicher leben. Doch wie steht es mit Datenschutz – und wie resilient ist die Infrastruktur im Ernstfall?

Die Reihen der Hochhäuser werden von breiten Straßen durchzogen, dazwischen Grünanlagen und Wasserläufe. Der Stadt Songdo ist anzusehen, dass sie noch jung ist und auf dem Reißbrett entworfen wurde.

Was man auf den ersten Blick nicht sieht: Songdo soll ein Prototyp für die Stadt der Zukunft sein, eine Smart City, die auf Basis digitaler Technologien energieeffizienter, umweltschonender und auch sozialer funktioniert. 2003 hat man mit dem Bau der Planstadt an der koreanischen Westküste begonnen, am Rande der südkoreanischen Hauptstadt.

So digital ist Songdo

In der Metropolregion Seoul leben etwa 25 Millionen Menschen. Weil es dort an geeignetem Land für das Projekt fehlte, wurde die Fläche dafür im Wattenmeer trockengelegt. Bis 2020 entstanden in drei Bauphasen auf sechs Quadratkilometern Wohnungen und Büros. Dort sollen einmal 260.000 Menschen leben. Bislang hat Songdo rund 150.000 Einwohner. Bei der Planstadt aus einem Guss wurden von Anfang an sämtliche digitalen Möglichkeiten mitbedacht, eingeplant und in die Infrastruktur integriert. 

Schon beim Bau wurden sowohl die öffentlichen Gebäude als auch alle Büros und Wohnungen mit intelligenten Mess- und Steuergeräten versehen. Darüber lassen sich Daten zentral erfassen, individuell auslesen und regeln. Von der Qualität der Raumluft bis zum Energieverbrauch ist die gesamte Infrastruktur steuerbar.

Eine Idee dabei: Die Bewohner sollen ihren Verbrauch besser kontrollieren, um ihn dann zu optimieren. In jeder Wohnung befindet sich ein großes Tablet an der Wand. Darüber können die Daten erfasst und die Haustechnik gesteuert werden. Diese Funktionen lassen sich auch via App aufs Smartphone auslagern. Wer will, kann also auch zum Beispiel unterwegs die Heizung regeln.

Skyline von Songdo, Foto: Adobe Stock____
Skyline von Songdo, Foto: Adobe Stock

Songdo: Smart City – mit Risiken

Auch städtische Mitarbeiter können den Verbrauch an jedem Knotenpunkt in Echtzeit ablesen, um etwa die Energieerzeugung entsprechend anzupassen. Die optimale Steuerung ermöglicht aber zugleich detaillierte Kontrolle. So können die Bewohner abgleichen, wie viel Energie sie im Vergleich zu den anderen verbrauchen. Das heißt zudem jedoch: Die individuell abgerufenen Daten sind auch in der Datenzentrale einsehbar.

Die exakte Erfassung geht bis hin zur Entsorgung. Hierbei wird auf strikte Mülltrennung geachtet. Jeder Haushalt bekommt einen mit Chip versehenen Badge, mit dem sich die entsprechenden Boxen öffnen lassen. Wie durch eine Rohrpost werden die Abfallsäcke durch die Katakomben der Smart City in eine zentrale Müllentsorgungsstation gesaugt. Nur Restmüll darf in den Schacht, anderes kommt in spezielle Container. Durch den Chip lässt sich genau überprüfen, wer wann was eingeworfen hat – und ob der Müll auch korrekt getrennt worden ist. Wer hierbei nicht akkurat vorgeht, muss mit einer Mahnung der Stadtaufsicht rechnen.

Mikrofone registrieren in Songdo jedes Geräusch – KI wertet die Daten aus

Die Daten aller Bewohner der Stadt in Südkorea werden zentral verwaltet. Hinzu kommt die Überwachung des öffentlichen Raums in der Smart City. Ein Team bewacht die Stadt permanent – 24/7. Die Bilder tausender Kameras laufen in einer kleinen Halle auf unzähligen Bildschirmen zusammen. Überall in Songdo haben die Überwacher ihre Augen: an jeder Straße, jeder Ampel, an jedem Fußgängerüberweg und auch in den Tiefgaragen. Erscheint ihnen etwas auffällig, rufen sie aus der Zentrale die Polizei oder andere Einsatzkräfte wie Feuerwehr oder Krankenwagen. 

Außer den Kameras sind in Songdo auch überall Mikrofone installiert, die jedes Geräusch registrieren. Die Aufnahmen werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz analysiert und nach auffälligen Mustern durchsucht. Deutet etwas auf Vandalismus oder einen Unfall hin, wird Alarm ausgelöst. All dies, so das Argument, diene der Sicherheit aller Bürger.

Smart City Songdo von oben, Foto: Adobe Stock____
Smart City Songdo von oben, Foto: Adobe Stock

Sicher in Songdo: Was bedeutet das – auch für andere Smart Cities?

Diese Sicherheit wird mit einer sehr weitgehenden Überwachung erkauft, die zur Kontrolle des Privatlebens führen kann – siehe Müll. Ständig beobachtet und abgehört zu werden, kann zu einer ganz anderen Art der Verunsicherung führen. Das Prinzip Smart City, so wie in der südkoreanischen Stadt Songdo realisiert, stößt nicht nur mit Blick auf Datenschutz und Privatsphäre auf Kritik.

Auch auf anderen Ebenen ist Sicherheit durch High-Tech ein fragwürdiges Konzept. So hat ein US-Konzern wichtige Bestandteile der Technik für die Smart City geliefert. Solch ein Unternehmen muss langfristig Updates für die digitale Technik liefern. Was passiert im Fall einer Pleite oder wenn das Geschäft unrentabel erscheint?

Je komplexer eine Infrastruktur, desto anfälliger ist sie zudem gegen Sabotage. So fiel am 8. Oktober in ganz Norddeutschland der Bahnbetrieb aus, weil zwei Kabel gezielt durchtrennt worden sind. Im Zuge der Klimakrise werden auch extreme Naturereignisse häufiger auftreten, denen gegenüber komplexe Infrastruktur anfällig ist. 

Songdo zeigt: Es braucht einen Diskurs, wie wir Smart Cities gestalten wollen  

Songdo als Smart City zeigt, was machbar ist. Aus den praktischen Alltagserfahrungen der Stadt der Zukunft in Südkorea können wir neue Schlüsse ziehen: In welchem Umfang und auf welche Art wollen wir digitale Möglichkeiten nutzen? Auch in Europa und Deutschland werden die Städte der Zukunft zu Smart Cities, Berlin zum Beispiel arbeitet bereits daran. Es wird Zeit, darüber zu diskutieren, wie wir unsere Smart Cities gestalten wollen.

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