Francis Kéré: Pritzker-Preisträger entwirft Kita der Technischen Universität München
Star-Architekt Francis Kéré ist für seine Entwürfe von Bildungs- und Lehreinrichtungen bekannt. Die meisten dieser Bauwerke stehen auf dem afrikanischen Kontinent. Nun plant er mit seinem Büro Kéré Architecture die vielleicht ausgefallenste Kita Münchens.
Die Technische Universität München bekommt eine neue Kita. Was erstmal unspektakulär klingt, gewinnt an Brisanz, wenn man weiß, wer das neue Gebäude planen wird: Kein geringerer als Francis Kéré liefert den Entwurf für die neue Tagesstätte für Kinder von Mitarbeitenden und Studierenden der TUM. Mit der Kita wird erstmals der typische Stil Kérés, der seit 2017 selbst als Professor an der Münchener Uni tätig ist, Einzug in die bayerische Landeshauptstadt halten.
Kita mit Platz für 60 Kinder
Der erste Spatenstich für die Kita erfolgte am 18. April 2024 direkt gegenüber vom Unicampus in Maxvorstadt auf der Gabelsberger Straße. In dem fünfgeschossigen Bau werden auf 700 Quadratmetern bis zu 60 Kinder Platz finden. Für die Kinderbetreuung sind die oberen Geschosse angedacht. Dort wird es Gruppenräume sowie Gemeinschafts- und Sportflächen geben. Außerdem gehört auch die als Himmelswiese bezeichnete Dachterrasse, die einen Außenbereich zum Spielen mit Blick über die Stadt bietet, zu den Räumlichkeiten. Weiter unten, im zurückgesetzten Sockel des Gebäudes, soll die Verwaltung untergebracht werden. Die TUM möchte es seinen Angestellten und Studierenden mit der Kita ermöglichen, Familie und Nachwuchs besser mit Job bzw. Studium zu vereinen. Laut Kéré selbst wird sie „natürlich ein Haus für Kinder“. Gleichzeitig sei sie aber auch „ein Geschenk an die gesamte Stadtgesellschaft“.
Francis Kérés Entwurf: ein Blickfang
Dass er damit auch auf den architektonischen Wert des Gebäudes anspielt, verraten die ersten veröffentlichten Renderings. Sie zeigen eine gefaltete Lamellenfassade aus Cortenstahl in erdfarbigen Tönen, die durch ihre halbdurchlässige Struktur Blicke ins Innere des Gebäudes zulässt. Dort ist es vor allem die richtungsweisende Holzbauweise, die den Bau charakterisiert. Mit ihren 22 Metern Höhe wird Francis Kérés Kita ihre Nachbargebäude um etwa 5 Meter überragen – eine notwendige Maßnahme und das geplante Raumkonzept unterzubringen und ein weiterer Grund, warum das Bauwerk aus der Umgebung herausstechen wird.
Ingeborg Pohl als Namensgeberin
Neben Kéré Architecture, das seinen Sitz in Berlin hat, ist auch das Architekturbüro Herrmann Kaufmann + Partner aus Vorarlberg an dem Projekt beteiligt. Das Team rund um Herrmann Kaufmann, der ebenso an der TUM lehrt, übernimmt die Ausführungsplanung. Ihren offiziellen Namen „Ingeborg Pohl Kinderoase an der TUM“ verdankt die Kita der Bauherrin des Projekts Ingeborg Pohl, die gleichzeitig Ehrensenatorin der TUM ist. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2025 geplant. Um den Betrieb wird sich dann das Studierendenwerk München kümmern.
Francis Kéré: erster afrikanischer Pritzker-Preis-Träger
Für Francis Kéré ist die Kita der TUM wohl auch eine Herzensangelegenheit. Der burkinisch-deutsche Architekt erhielt im Jahr 2022 den Pritzker Preis – als erster Afrikaner und dritter Deutscher. Im Jahr 2023 wurde er zudem mit dem Kunstpreis Praemium Imperiale für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seinen Stil zeichnet unter anderem eine ressourcenschonende Bauweise aus, für die er häufig auf regionale und nachhaltige Materialien zurückgreift. Viele der von ihm entworfenen Gebäude sind für die Nutzung als Lehr- bzw. Bildungseinrichtung bestimmt. Die neue Kita der TUM reiht sich also bestens in das Portfolio des Stararchitekten ein.