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Das Fagus-Werk in Hannover ist wurde von keinem geringerem als Walter Gropius entworfen. Foto: Carsten Janssen
Das Fagus-Werk in Hannover ist wurde von keinem geringerem als Walter Gropius entworfen. Foto: Carsten Janssen

Bauhaus-Architektur: 5 ikonische Gebäude, die noch heute beeindrucken

Gradlinig, funktional, puristisch: Die Bauhaus-Architektur verkörpert einen Stil sondergleichen, der das moderne Bauen bis heute prägt. Diese fünf Gebäude sind ganz besondere Zeugnisse ihrer Zeit.

Die Bauhaus-Architektur gehört zu den prägendsten Stilrichtungen der Moderne. Was aber zeichnet sie aus? Die Vision von Erschaffer Walter Gropius war es, Kunst und Handwerk zu verbinden, um funktionale Produkte zu entwickeln. Das Credo: „Form follows function“. Form und Ästhetik richten sich nach der reinen Nützlichkeit des Produktes – schön ist, was praktisch ist. 

1919 gründete Gropius in Weimar die Bauhaus-Kunstschule. Die dort agierende Bauhaus-Avantgarde, bestehend aus Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstlern sowie Designerinnen und Designern, setzte auf schlichte, symmetrische Formen und Komplementärfarben. Auch standen für die damalige Zeit neue Materialien im Fokus, wie Beton, Stahl und Glas. Auf schmückende Beiwerke wurde verzichtet, mit Traditionen gebrochen. Denn die Bauhaus-Architektur stand für eine Epoche, die etwas Neuem suchte – und dies in der Klarheit fand und ausdrückte. Von Gaststätte über Wohnsiedlung hin zu Fabrik: Diese fünf Gebäude spiegeln die unverkennbare Optik wider.

1. Fagus-Werk bei Hannover – Wegbereiter der Bauhaus-Architektur 

Eine Fabrik als einer der Wegweiser der neuen Bauhaus-Architektur, das ist das Fagus-Werk in Alfeld. Entworfen wurde die Schuhleistenfabrik 1911 von keinem Geringeren als dem jungen Walter Gropius, als dieser noch unbekannt war. Das Gebäude besticht mit einer aufwendigen Tragwerkkonstruktion, die auf stützende Eckpfeiler verzichtet. Die verglasten Hausecken und die Glas-Stahl-Fassade verleihen der Fabrik Leichtigkeit und Transparenz. Das war für damalige Fabriken etwas Außergewöhnliches. Lichtdurchflutete Innenräume sollten eine angenehme Arbeitsumgebung schaffen; auch das war zu der Zeit etwas völlig Neuartiges. Das Fagus-Werk ist außerdem Unesco-Welterbestätte – die einzige, die noch in vollem Betrieb ist.

Das Fagus-Werk ist die einzige Unesco-Welterbestätte, die noch in vollem Betrieb ist. Foto: Jürgen Bartels____
Das Fagus-Werk ist die einzige Unesco-Welterbestätte, die noch in vollem Betrieb ist. Foto: Jürgen Bartels

2. Kornhaus in Dessau – Restaurant mit Form und Funktion

Am Elbdeich in Dessau steht ein beliebtes Ausflugslokal, das auf den Namen Kornhaus hört. Und dieses Lokal ist Bauhaus-Architektur par excellence. Das Gebäude besteht aus zwei Elementen, die – ganz funktional – an die mittig liegende Küche andocken. Einmal der gläserne Rundbau mit Restaurant und einmal der große Kubus mit Tanzsaal im Obergeschoss, plus Stehbierstube im Untergeschoss. Architekt Carl Fieger erschuf mit diesem Objekt eine bemerkenswerte Gaststätte mit klaren Linien, geometrischen Formen und effizienter Nutzung des Raums. Seinen Namen erhielt das Kornhaus von einem historischen Getreidespeicher, der dort bis in die 1870er Jahre stand. Es ist übrigens der einzige Bauhausbau auf einem Wassergrundstück.

Im gläsernden Rundbau des Kornhauses befindet sich ein Restaurant. Foto: Adobe Stock____
Im gläsernden Rundbau des Kornhauses befindet sich ein Restaurant. Foto: Adobe Stock

3. Hufeisensiedlung in Berlin-Neukölln – Sozialbau mit Charme 

Kommt man in den Genuss, über den Neuköllner Ortsteil Britz zu fliegen, erspäht man ein riesiges Hufeisen. Dabei handelt es sich um die Hufeisensiedlung, eine 350 Meter lange Gebäudeformation, um die sich weitere Häuserzeilen erstrecken. Die Siedlung gilt als Pionierprojekt für den sozialen Wohnungsbau und beherbergt knapp 2.000 Wohnungen. Erbaut wurde sie nach der damaligen Bauhaus-Maxime „Licht, Luft und Sonne“ für alle. Architekt Bruno Trauts Bestreben war es, den Menschen ein lebenswertes Zuhause zu entwerfen: Große Gärten und Grünflächen dienten als Außenwohnraum, seine kontrastreichen Farben an Türen und Fassaden waren für ihn ein „Zeichen des neuen Glücks“, welches „volkstümliche Heiterkeit“ verbreiteten sollte. Auch die Hufeisensiedlung gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die Hufeisensiedlung in Neukölln gilt als Pionierprojekt für den sozialen Wohnungsbau. Foto: A.Savin, WikiCommons____
Die Hufeisensiedlung in Neukölln gilt als Pionierprojekt für den sozialen Wohnungsbau. Foto: A.Savin, WikiCommons

4. Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf – naturnahe, farbenfrohe Bauhaus-Architektur

Ebenfalls in Berlin angesiedelt ist die denkmalgeschützte Waldsiedlung Zehlendorf. Auch diese Bauhaus-Wohngegend zeigt, wie einfach sich der Bau monotoner, trister Mietskasernen vermeiden lässt. Alle 1.100 Wohnungen und 800 Häuser haben die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg so konzipiert, dass sie von großzügigen Grünflächen umgeben sind. Ein lichter Kiefer- und Birkenwaldbestand war bereits vorhanden. Fassaden wurden mit kräftigen Farben versehen: Ostfassaden in Gelb- und Grüntönen, die westlichen Fassaden braun und bordeauxfarben (das Ensemble erhielt schon bald den Spitznamen Papageiensiedlung). Charakteristisch sind zudem die Vorsprünge der Gebäude, die für räumliche Differenzierung sorgen. Diese Bauhaus-Architektur schenkte den Menschen dort so ein hohes Maß an Lebensqualität.

Der Grund dafür, dass die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf auch Papageiensiedlung genannt wird, ist unverkennbar. Foto: Adobe Stock____
Der Grund dafür, dass die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf auch Papageiensiedlung genannt wird, ist unverkennbar. Foto: Adobe Stock

5. Rolf-Liebermann-Studio in Hamburg – eine ehemalige Synagoge

Geschichtsträchtig geht es in der Oberstraße 116-120 in Hamburg zu. Hier wurde 1931 die Tempel-Synagoge errichtet, ein modernes jüdisches Gemeindezentrum. Der Entwurf stammte von den beiden jüdischen Architekten Felix Ascher und Robert Friedman. Er galt als gewagt – denn bis dahin sind so gut wie alle Synagogen-Neubauten von nicht-jüdischen Architekten entworfen worden und an christliche Gotteshäuser angelehnt. Ascher und Friedman bedienten sich jedoch sachlich-monumentaler Bauhaus-Architektur: kubische Baublöcke, symmetrische Gestaltung, keine Verzierungen. Lediglich über dem Haupteingang sieht man ein Fenster, in das dekorativ eine Menora eingelassen ist, der siebenarmige Leuchter des Judentums. Die Fassade ist aus Muschelkalk. Die Synagoge wurde tragischerweise in der Reichspogromnacht verwüstet und dann geschlossen. Sie überstand den Krieg äußerlich heil. 1953 kaufte der NDR das Gebäude, in das der Rundfunk ein Tonstudio und einen Konzertsaal einrichtete.

Das Rolf-Liebermann-Studio in Hamburg verzichtet größtenteils auf äußerliche Verzierungen. Foto: Imago____
Das Rolf-Liebermann-Studio in Hamburg verzichtet größtenteils auf äußerliche Verzierungen. Foto: Imago

Anmerkung: Wenn man an das Bauhaus denkt, fallen einem in erster Linie berühmte Männer ein wie Walter Gropius, Paul Klee oder Wassily Kandinsky. Auch in diesem Artikel fallen ausschließlich männliche Namen. Dabei prägten auch viele Frauen das Bauhaus mit, die jedoch an der progressiv geltenden Kunstschule ziemlich in den Hintergrund gedrängt wurden. Nur allmählich geraten sie und ihre Werke in den Blick der Öffentlichkeit – und wir legen jeder und jedem eine Recherche ans Herz, etwa zu Lucia Moholy, Gunta Stölzl, Marianne Brandt oder Hilma af Klint.

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