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Bewahrer verlorener Schätze: Um 2002 demontierter Lift am Mönchsberg. Foto: Archiv Mönchsberg.
Bewahrer verlorener Schätze: Um 2002 demontierter Lift am Mönchsberg. Foto: Archiv Mönchsberg.

Völlig von Simmen: der Lift am Salzburger Mönchsberg

Dr. Jeannot Simmen gewährt einen Blick in sein Archiv. Darin: Fotos von Aufzügen, historischen wie auch modernen. Diesmal zeichnet der Kulturwissenschaftler und Fahrstuhl-Experte für Senkrechtstarter die Geschichte des Salzburger Mönchsbergsnach, wo einst ein Außenlift zum Aussichtspunkt und Casino führte und heute ein Innenaufzug ins Museum der Moderne fährt.

Kleiner Abstecher nach Salzburg, in die Festspielstadt. Dort gab es bis um 2002 einen großartigen Aussichtslift. Dieser überwand 56 Meter. Oben war eine Bellevue mit „vortrefflicher Aussicht auf die Gebirge und Ebene, dies macht ihn zu dem schönsten Park und Spazierweg, de ich je sah, nur dass Kunst nicht dabey gewirkt hat“, so Heinrich Reinhold (Maler) 1818.

Damals musste hochgestiegen werden, erst 1890 wurde an dem steil abfallenden Fels ein topmoderner Aufzug mit Elektroantrieb und Treibscheibe gebaut. An der schroffen Steinwand wurde ein stark ausgesteiftes Eisengerüst an sechs Knotenpunkten verankert. Das Stützkorsett wuchs direkt aus der parallel zum Felsen gebauten Häuserzeile. Die Fahrt führte zur Aussichtsterrasse, später zum Glücksspiel ins Casino.

Historische Aufnahme vom Mönchsberg-Lift (um 1900): zwei Kabinen hingen an je 6 Seilen, 30-fach gesichert. Das erste europäische Großprojekt mit Seiltrieb für Personenbeförderung war eine technisch topmoderne Ingenieurskonstruktion, geplant von Siemens/Halske (Berlin) und Freissler (Wien). Diese Förderanlage war moderner als die beim Eiffelturm, die nach dem alten Prinzip von Standseilbahn und Hydraulik gebaut war. © Archiv Mönchsberg
Historische Aufnahme vom Mönchsberg-Lift (um 1900): zwei Kabinen hingen an je 6 Seilen, 30-fach gesichert. Das erste europäische Großprojekt mit Seiltrieb für Personenbeförderung war eine technisch topmoderne Ingenieurskonstruktion, geplant von Siemens/Halske (Berlin) und Freissler (Wien). Diese Förderanlage war moderner als die beim Eiffelturm, die nach dem alten Prinzip von Standseilbahn und Hydraulik gebaut war. © Archiv Mönchsberg

Heute fährt der Aufzug durch einen Schacht im Felsen. Keine Aussicht auf Stadt und Land ist während der Fahrt möglich. Oben angekommen, wird man ins Museum der Moderne geleitet (Preis im Aufzugsticket inbegriffen!). Das kubisch gestaltete Museum ist dreistöckig in den Felsen gebaut. Das Restaurant bietet einen panoramatischen Blick auf Salzburg und in die Landschaft.

MdM, das Museum der Moderne, hat unten den Eingang zu den Aufzugsanlagen, erst nach gut 50 Metern ist man auf der Höhe vom Museum. In der Felswand sieht man noch die Verankerungspunkte vom früheren Außenlift. © Jeannot Simmen  ____
MdM, das Museum der Moderne, hat unten den Eingang zu den Aufzugsanlagen, erst nach gut 50 Metern ist man auf der Höhe vom Museum. In der Felswand sieht man noch die Verankerungspunkte vom früheren Außenlift. © Jeannot Simmen

Die Vertikale ist an diesem Ort das besondere Schauspiel. Die mächtige Felswand bietet Schutz und war durchaus gefährlich (Abbruch 1669: 2000 Zentner Steinlast, 220 Tote). Die Felswarte führte einst in die Natur oder ins Café Winkler, später ins Casino, heute in ein bekanntes Museum der Moderne - das ist doch eine tolle Abfolge für die Geschichte der Zivilgesellschaft. „Selbstmordberg“ nannte der Schriftsteller Thomas Bernhard diesen 506 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Stadtberg: „Alles in dieser Stadt ist gegen das Schöpferische“, so der Salzburger Literat. Allerdings das Technische und die Musen haben über der Salzburger Altstadt einen magischen Platz in luftiger Höhe geschaffen, damals wie heute.

Eine senkrechte Sicht, als illusionistisch-irreale Perspektive durch den jähen Wechsel von Horizontal-Vertikal-Horizontal … was durchaus schwindelerregend sein kann. © Jeannot Simmen
Eine senkrechte Sicht, als illusionistisch-irreale Perspektive durch den jähen Wechsel von Horizontal-Vertikal-Horizontal … was durchaus schwindelerregend sein kann. © Jeannot Simmen
Dr. Jeannot Simmen raucht eine Zigarre

Dr. Jeannot Simmen ist Autor, Ausstellungs- und Büchermacher. Er lehrte Kunst und Design an Universitäten in Berlin, Kassel, Wuppertal und Essen und ist Gründer sowie Vorsitzender des Club Bel Etage in Berlin, einem Ort kulturellen Austauschs und kreativer Initiativen. Von Simmen stammen unter anderem die Bücher Der Fahrstuhl. Die Geschichte der vertikalen Eroberung und Vertikal. Aufzug - Fahrtreppe - Paternoster. Eine Kulturgeschichte vom Vertikal-Transport.

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