Wohnturm auf Rügen bald höchstes Gebäude in MV?
Schon in der vergangenen Woche berichteten wir von den Plänen, auf der Ostseeinsel Rügen ein Hochhaus zu errichten. 104 Meter soll der "Wohnturm Prora" in den Himmel ragen, er wäre das höchste Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern.
Rund 100 Wohnungen auf 27 Etagen soll das Gebäude bieten und vor allem junge Familien anziehen. Laut den Greifswalder Architekten Drebing Ehmke erinnert der Turm an gestapelte Bücher, manch anderer fühlte sich angesichts der ersten Entwürfe mehr an einen Wachturm erinnert. Denn inzwischen hat der Investor seine Pläne im Rahmen einer Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vorgestellt - und die zeigt sich in ihrer Meinung gespalten. Architektenkammer und Landestourismusverband blicken dem Projekt skeptisch entgegen, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.
3,5 Millionen Euro für 13.275 Quadratmeter
Entstehen soll der Wohnturm 500 Meter vom Ostseestrand entfernt auf einem ehemaligen Schulgelände, 13.275 Quadratmeter misst das Grundstück. Der Bauunternehmer Jürgen Breuer bietet der Gemeinde Binz 3,5 Millionen Euro dafür. Laut Schweriner Volkszeitung liegt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen auf Rügen zwischen 3600 und 8000 Euro.
Zum Vergleich: In München, Deutschlands teuerster Stadt, lag der Durchschnittspreis im Jahr 2015 bei 6338 Euro pro Quadratmeter. Wo der Boden teuer ist, geht's hoch hinaus, das ist bekannt. Doch im Nordosten der Republik sind solche Entwicklungen neu, auch deshalb dürfte es kritische Stimmen geben. Während der Investor meint, der Wohnturm gebe Prora "ein Gesicht", fürchten andere den Monolith an der Küste.
Unweit vom "Koloss von Prora"
Entschieden ist aber ohnehin noch nichts: Es gibt bislang weder das Okay der Gemeindevertreter noch einen Bebauungsplan. Sensibel ist das ganze Vorhaben auch deshalb, weil sich das Grundstück des geplanten Wohnturms in unmittelbarer Nähe zum "Koloss von Prora" befindet, dem von den Nazis errichteten, 4,5 Kilometer langen KdF-Seebad-Komplex. Im Interview mit dem NDR betonte Joachim Brenncke, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer, dass der Neubau in die Baukultur des Landes passen müsse.
Mehr dazu samt Bildern und Video unter ndr.de, n-tv.de und unter drebingehmke.de.